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  Eingestellt am 25.01.2018 von fh; Verfasst am 31.03.1956 von Norbert Horn (1911-1986);
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Vorwort

  Die historisch Wertvollen und bis zu 350 Jahre alten Grabsteine wurden aus mir nicht erklärbaren Gründen, unter Anweisung des damaligen Elbtaler Bürgermeisters Hubert Lenz, vom Dorchheimer Friedhof entfernt. Auf dem Blasiusberg stehen Grabsteine dieser Art mittlerweile unter Denkmalschutz, aber in Dorchheim sind sie achtlos hinter dem Bauhof aufeinander gestapelt. Die ehemals auf dem Dorchheimer Friedhof existierende und auch historisch wertvolle Familiengruft der Freiherren von Erath (Hofgut Waldmannshausen), fiel schon in den Siebzigern, unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Theo Simon, dem Bagger zum Opfer.


Inhaltsverzeichnis:

1. Alte Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof

Die Inschriften auf den alten Dorchheimern Grabsteinen von Norbert Horn (1911-1986)

2. Hinweise zu den Grabsteinen und den dazugehörigen Personen

Unter den Grabsteinen befindet sich auch der, des ehemaligen Marienstätter Verwalters in Dorchheim, Christian Rick, er ist der Vorfahre aller in Dorchheim, Elbgrund, Frickhofen und Thalheim lebenden Rick's.

3. Historischer Horror

Endstation Bauhof?

4. Es tut sich was (12.03.2018)

Können wir und bald wieder der historischen Grabsteinen auf dem Dorchheimer Friedhof erfreuen?




 Alte Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof


 Schon vor über 60 Jahen erkannte der Heimatforscher Norbert Horn den historischen Wert der bis zu 350 Jahre alten Grabsteine und hat deshalb die Inschriften dieser Steine für die Nachwelt dokumentiert.


Alte Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof


von Norbert Horn (1911-1986)

 Klein und verwittert stehen auf dem Friedhof zu Dorchheim, der auch eine Familiengruft der Freiherren von Erath birgt, einige alte Grabsteine mit ungefügten Buchstaben und Sinnzeichen. Die Toten aus Dorchheim und Elbgrund, die man einst in ihrem Schatten zur letzten Ruhe gebettet hat, sind längst vergessen und sogar die Familiennamen sind zum Teil erloschen. Aber hier sind in grauen Stein wertvolle Urkunden für den Wandel der Schrift, der Sprache und der Ausdrucksformen in den letzten neun Menschenalter aufbewahrt, und deshalb bei dem nachstehenden Abdruck Satzstellung, Rechtschreibung und Zeichensetzung nicht verändert worden.

  1.  Anno 1671 hat der ehrsame Friderich Pistor Marienstedter Keller alhier seiner Hausfrauen und Sohn zu Ehren dis Gegechtnus uff richten lassen. Seine Hausfrau starb anno 1671 den 22. Feb. Sein Sohn Johann Jorg starb anno 1652 den 1. Juny. Ich weis das mein Erlöser lebt und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken. Hiob 19.

  2.  Anno 1727 ist die ehrsame Anna Kaderina Beckerin dess Ehrsamen Johan Fridererickuss Beckerss eheliche Frau gewesen ist im Herrn endschlaffen ihres Alters 80 Jahr. Anno 1752 ist Anna Catarina Beckerin ihres Alters 71 Jahr Herrn entschafen.

  3.  Ahir ruth in Gottes Gnaden Jost Heinrich Kreuter
    Auf das meine Red geschriben werden das sie in ein Buch gestelet word mit einem eisernen Griffel aus Bley und zu ewigen Gedichtnis in ein Fels gehauen wurden aber ich wes das mein Erlöser lebt und er wird mich hernach aus der erden aufferwecken.

  4.  Sein Altertum ist 73 ist entschlafen am 2 Juni und mit den h. Sacramendend anno 1737 versehen zu W.
    Im Jahre 1739 den 31. Marcy ist gerhart Heftrich seine ehelige Hausfrau dem Herrn entschlafen ungefehr 57 Jahr mit de Namen Anna Maria von Milbach.

  5.  Annao 1768 den 23. August st Herr Christian Rick Abtaj Marienstaetischer Keler in dem 70. Jahr seines Alters dem Herrn entschlafen. Anno 1765 den 3ten Februarius ist desen 2te Ehefrau Anna Catharina gebohrene Kochin in deme Herrn ruhig entschlafen iheres Alters 66 Jahr.

  6.  Allhier ligt begraben der ehrsame Christian Eisel gewesener Sendschöffen von dahier gebürtig von Seck starb Anno 1788 d. 11ten August seines Alters 52 Jahr.

  7.  Dieses Grabmal hat errichtet lasen Elissabeta Nonin vor ihrem ehrsamen Ehemann Johannes Non von Meilbach gebeirtig aus Durgheim. Er ist dem Herrn entschlafen den 4ten Junio 1802 seines Alters 36 Jahr und mit alle woll versehen worde.

  8.  Thu niemal was dich einst im Sterben könnte reuen
    Thu allzeit was dich auch im Tode kann erfreuen
    Dann wird dein Leben rein
    Und selbst der Tod für dich ein neues Leben sein
    Anton Gotthard von Miehlbach Ehemann de Anna Maria Staudt geb. den 20. Dec 1752 starb den 30. Junius 1814. Er ruhe in Frieden.




 Hinweise zu den Grabsteinen und den dazugehörigen Personen

  1.  Zu Stein Nr. 1
     Bei dem ersten Grabstein handelt es sich auch gleichzeitig um den vermutlich ältesten der Steine. Diesen hat der ehmalige Hofmeister *) der Marienstätter Mönche in Dorchheim, Friderich Pistor, 1671 für seine Frau und seinen Sohn errichten lassen.
    Aus der Familie Pistor, die wahrscheinlich aus Hundsangen stammte, sind in Dorchheim noch zwei spätere Verwalter der Marienstätter Güter belegbar:
    Friedrich Pistor (Hunsangensis), Belegjahre: 1641-1659 (bei ihm könnte es sich um den Auftraggeber des ältesten Grabsteins handeln)
    Johannes Gregor Pistor, Belegjahre: 1690-1696
    Friedrich Pistor, Belegjahr: 1717

  2.  Zu Stein Nr. 2
     Folgt

  3.  Zu Stein Nr. 3
     Hier handelt es sich um Jost Heinrich Kreuter (* um 1695; + 11.12.1763 Waldmannshausen) aus der Papiermüllerfamilie Kreuter.
    Hier wird er oft erwähnt
    Auch hier
    Im Ehe-Buch der reformierten Gemeinde Mengerskirchen finden wir 1746 folgenden Eintrag über ein Mitglied dieser Famile: Den 10. May Johann Jacob Kreuter, Papiermüller zu Waldmannshausen undt Anna Elisabetha Senglisin von Köpperen Gräflich Homburg Jurisdiction praevia trida proclamationae dahiro zu Mengerskirchen copuliret worden.
    (Am 30.05.1789 wird mitgeteilt (Dillenburgische Intelligenz-Nachrichten), das August Spieß und dessen Ehefrau zu Philipstein ihren Anteil an der Papiermühle in Waldmannshausen an die Witwe des Simon Schneider verkauft haben, um 2125 fl)

  4.  Zu Stein Nr. 4
     Folgt

  5.  Zu Stein Nr. 5
    Hier handelt es sich um den Marienstätter Verwalter in Dorchheim, Christian Rick (*1680; +1768).
    Christian stammte vom Gellershof, der nur 1,5 km vom Kloster entfernt lag, hier wurde er auch geboren, er ist der Stammvater aller Rick in Dorchheim, Frickhofen, Elbgrund und Thalheim.
    Der Sohn Sohn von Christian Rick, der auch den Namen Christian (*1723; +1793) trug, war der Schwager des Marienstätter Abtes Bernhard II. Colonia (1751-1770), auch dieser Christian war Marienstätter Verwalter in Dorchheim und sein Sohn Bernhard (*1769; +1814) wiederum war der letzte im Dienste der Marienstätter Mönche in unserem Dorf.

  6.  Zu Stein Nr. 6
     Folgt

  7.  Zu Stein Nr. 7
     Folgt

  8.  Zu Stein Nr. 8
     Folgt


*) Dem Hofmeister (magistro curtis, magister domus), in Marienstatt auch Zellerar oder Keller (cellarius), grangiarius, Prokurator oder Provisor bezeichnet, unterstand die Verwaltung der wirtschaftlichen Angelegenheiten eines Hofes (hier in Dorchheim). Er war auch für die Rechnungslegung verantwortlich.
Dass der Dorchheimer Verwalter Joseph Frosch 1772-1773 es bis zum Marienstätter Abt gebracht hat, zeugt auch von dem hohen Ansehen der Dorchheimer Zweigstelle des Klosters.



 Historischer Horror

Bauhof statt Friedhof. (hf)
 Ehemals standen die Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof, wurden dann aber, auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters und heutigen Vorsitzenden des Elbtaler Geschichts- und Kulturkreis e.V., Hubert Lenz, "eingelagert".
Historische Schätze zum Teil zerstört und zum Vergammeln gestapelt. (hf)


Eine nie beantwortete E-Mail, an die Gemeinde Elbtal, hat mein inzwischen verstorbener Bruder Alexander Horn am 5.3.2013 geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Anfrage:

Wie konnte es dazu kommen, dass die denkmalgeschützten alten
Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof entfernt wurden und wo sind
sie geblieben. Es handelt sich hierbei um wertvolle steinerne
Zeugnisse aus der Zeit von 1652 bis 1814 die bis heute historisch nicht
ausgewertet sind. Sie wurden einst für die Marienstätter Keller,
für Sendschöffen und Heimberger erichtet, auch ein Grabmal der
Papiermüllerfamilie Kreuter war dabei; somit alles wichtige
Persönlichkeiten der Ortsgeschichte. Wurden die Grabsteine, ausser
den verbliebenen 2 waren mindestens noch weitere 8 vorhanden,
eingelagert, eventuell fotographiert oder gibt es Abschriften. Ich
bitte um baldige Rückmeldung, da ich die Antworten in einem Beitrag
über die Friedhofskirche einfliessen lassen möchte.

mit freudlichen Grüssen
Alexander Horn




 Es tut sich was (12.03.2018)

Zerbrochen, das Ergebis unsachgemäßer Lagerung. (hf)
 Nach meiner Eingabe am 05.02.2018 im Gemeinderat, die Grabsteine wieder aufzustellen, wurde am 19.02.2018 beschlossen, der Bedeutung der Grabsteine wieder gerecht zu werden und Bürgermeister Joachim Lehnert hat angeboten, sich bei der Unteren Denkmalbehörde zu erkundigen, wie man am besten mit den Grabsteinen weiter verfährt.
 Der Argumentation, die Steine wären aus Platzmangel von dem Friedhof entfernt worden, kann ich leider absolut nicht beipflichten, die fünf Quadratmeter wahren zu jedem Zeitpunkt noch vorhanden und außerdem hätte man sie ja später, spätestens bei der Restauration unserer Nikolauskapelle, als definitiv kein Platzmangel mehr auf dem Friedhof herrschte, wieder aufstellen können. Hier hatte man aber eindeutig nicht den Wert der Steine erkannt und genau so wurden sie auch behandelt.
 Um den historischen Steinen nun gerecht zu werden, kam sogar der Vorschlag, diesen nun ein überdachtes Areal zukommen zu lassen. Es ist mir zwar nicht so Wichtig, aber für mich gehören sie, gerade aus historischen Gründen, wieder annähert dorthin, wo und wie sie gestanden haben. Zusätzlich könnte man neben jedem Stein den Text des jeweiligen, soweit man ihn entziffern kann, mit einer A4 oder A5 großen Tafel, dem interessierten Bürger besser sichtbar machen.
 Wir werden sehen wie es ausgeht und wie lange es dauert, bis wir uns wieder der alten Grabsteine auf dem Dorchheimer Friedhof erfreuen können, denn wenn es hier auch so lange dauert, wie die Restauration der Gedächtnisstätte der Kriegsopfer für die beiden Weltkriege in Dorchheim, können wir sicher noch ein Weilchen warten.