Angefangen am: 04.08.2020; Artikel von Norbert Horn;
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Helfensteiner Wappen am Standort einer ehemaligen Mühle bei Oberelbert am Stelzenbach (Sascha Schork 07.10.2020)

Der Wehrbau im Sporkenwald

Ein Artikel über die Sporkenburg bei Arzbach


Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

Für sehr vieles liegt der Grundstein in der Kindheit

2. Der Wehrbau im Spurkenwald

Grundlinien und Höhepunkte der Geschichte der Sporkenburg

3. Zur Geschichte der Sporkenburg

Ein Artikel aus den Nassauischen Annalen Band 31 im Jahr 1900

4. Informative Links

Links und andere Informationen

5. Stammbaum der Helfensteiner

In Arbeit



 Vorwort

 
Der Ursprung unseres strebens ist tief in unserer Kindheit verwurzelt


Auch die Töchter von Norbert Horn haben so einige Ferien im Parrhaus von Arzbach verbracht, deshalb gab auch viel zu erzählen bei einem Besuch im lehrstehenden Pfarrhaus am 30.09.2018 bei dem uns Herr Werner Best nochmal die Räumlichkeiten zugänglich machte. (hf 30.09.2018)

  Selbst als er das letzte Mal nach Arzbach fuhr, um seinen Onkel zu besuchen, war der erste Gang nicht ins Pfarrhaus, sondern gerade aus dem Auto gestiegen, ging der direkte Weg zur Sporkenburg, die ihn schon in seiner Kindheit so faszinierte. Wurde hier vielleicht der Grundstein für sein riesiges Interesse an der heimatlichen Geschichte gelegt. Viele Ferien hatte er bei seinem Lieblingsonkel und Förderer im Pfarrhaus von Arzbach verbracht, Arzbach wo der Limes, heute Weltkulturerbe, entlanglief, die Römer ein Kastell errichtet hatten und von wo man aus dem Fenster des Pfarrhauses auf einen, auf steiler Höhe liegenden, rekonstruierten Römerturm aufblickte.

Morgendlicher Spaziergang zur Sporkenburg im Spurkenwald. Unten im Emsbachtal die Straße von Ems nach Arzbach, daneben der Weg, den auch die Wallfahrer von Frickhofen nach Bornhofen jedes Jahr gehen. (hf 30.09.2018)

  Dieser Artikel ist ein hervorragendes Beispiel über die Rivalität zwischen Klerus und Adel im Mittelalter. Der Kampf zwischen den Grafen von Nassau-Hadamar und den Erzbischöfen von Trier ist hier beispielhaft aufgeführt. Der Expansionsdrang der Trierer, gerade unter ihrem kriegerischen Erzbischof Balduin von Luxemburg, nach dem ein ganzer Ort an der Lahn benannt ist, musste zwangsläufig zu Konflikten mit dem ansässigen Adel führen. Diese Auseinandersetzung gipfelte unter anderem im Jahr 1347, in der Grenzauer Fehde, in der die Herren Philipp von Isenburg und Reinhard von Westerburg 172 junge Koblenzer in einem Hinterhalt zwischen Koblenz und Grenzau niedermetzeln ließen. Eine ganze Generation Koblenzer Männer wurde hier ausgelöscht und bis ins Jahr 1800 erinnerten die Koblenzer jedes Jahr mit Gottesdienst und Prozession an diese Tat.



 Der Artikel von Norbert Horn

 
Veröffentlicht am 15.07.1955

Der Wehrbau im Spurkenwald


GRUNDLINIEN UND HÖHEPUNKTE DER GESCHICHTE DER SPORKENBURG

Rekonstruktionsversuch von Hans Hoffstadt 1)Gesamtplan 2)Haupteingang 3)Schildmauer 4)Wohnbau mit Treppenturm 5)Innenhof mit Zisterne 6)Palas 7)Gesindehäuser (Infotafel vor Ort)

  In dem alten Reichsforst Spurkenwald, der seinen Namen von den zahlreichen Wachholderhecken verdankt und im Verlaufe des Mittelalters vor den Schlägen der Rodungsaxt nach dem Rückzugsgebiet um die Montabaurer Höhen gewichen ist, hat die Abtei St. Matthias in Trier am Ausgang des elften Jahrhunderts die Gemarkung Denzerode als erzbischöfliches Geschenk erhalten und in der Folgezeit auf ungeklärte Weise wieder verloren. Schließlich erwerben die Herren von Helfenstein an der Wende zum vierzehnten Jahrhundert aus zweiter Hand die ehemaligen Klostergüter und wählen nun einen steilen Randberg des Arzbachtales, wo ihr neues Eigentum nach Osten hin endet, zur Anlage eines festen Stützpunktes für ihr aufstrebendes Geschlecht. Nur zweimal, bei ihrem Bau und ihrem Untergang, ist diese Burg, die anspruchsvoll den Namen des großen Waldgebietes übernimmt, über den privaten Bereich hinaus in bedeutsame Zusammenhänge verwoben, und was dazwischen hinter ihren Zinnen geschieht, ist lediglich Familiengeschichte einiger Adelssippen.

Innenseite der mächtigen Schildmauer (hf 30.09.2018)

  Bei dem äußeren Grundriss der Sporkenburg, die Heinrich von Helfenstein im Jahre 1309 aus den Trümmern eines älteren Ritterhauses errichtet, dient die natürliche Gestalt der Bergkuppe als bestimmende Leitlinie, so daß die Ringmauern ein langgestrecktes Rechteck umschließen. Auf der Nordseite, wo das Gelände mit dem übrigen Talrand eine Einheit bildet und daher bei einem Angriff die meiste Gefahr besteht, verwehrt ein Graben von über zehn Meter Tiefe und der dreifachen Breite den ungehinderten Zugang zu einer mächtigen gewinkelten Schildmauer. Die Abwehrkraft dieser Sperrwand wird durch einen angrenzenden Bergfried von fünf Stockwerken mit aufgesetzten Türmchen noch erheblich verstärkt. Durch das Erdgeschoß des Bollwerkes führt ein gewölbter Torweg in einen kleinen Hof, den der Palas nach Süden abschließt. Die gesamte innere Anlage ist durch eine Längsmauer in zwei fast gleich große Bauflächen aufgeteilt, ein Sinnbild und vielleicht sogar die Folge der Tatsache, daß die halbe Burg einige Menschenalter hindurch, von Adelheid von Braunshorn bis Katharina von Gymnich, den Frauen der jeweiligen Besitzer im Ehevertrag zur Witwenwohnung bestimmt wird. Dem eigentlichen Wehrbau ist südwärts im Schutze des rebenbepflanzten Steilhanges noch ein breiter Zwinger als Raum für den Wirtschaftshof vorgelagert und eine Urkunde des Jahres 1357 erwähnt auch einen äußeren Graben in der Nähe eines Kreuzes als weitere Verteidigungslinie.

Blick von innern der Burg auf den Bergfried bei Sonnenaufgang, rechts die Trennmauer, die die Anlage in zwei Hälften teilt (hf 30.09.2018)

  Ein derartiger Bau übertrifft an Umfang und Stärke sehr wesentlich die damals üblichen Adelssitze und wird besonders dadurch, daß die wichtigsten Bestandteile nach dem Befund der Mauerreste sämtlich in dem gleichen kurzen Abschnitt entstehen, zu einer außerordentlich beachtlichen Leistung. Man darf nämlich nicht vergessen, daß die Arbeiten fast ohne jedes technische Hilfsmittel ausgeführt werden und der einzige Ausgleich für den Mangel an Gerät und Werkzeug in dem vermehrten Einsatz von Menschen besteht. Hörige Bauern stehen jedoch Ritter Heinrich auf seinen Gütern in der Nähe der Sporkenburg bestimmt nicht zur Verfügung, und außerdem fehlen solchen Leuten die notwendigen Fachkenntnisse. Der Helfensteiner muß also in einer zusammengedrängten Zeitspanne sehr beträchtliche Mittel für Lohn und Beköstigung zur Hand haben, und er scheint bei seinem Vorhaben von einer anderen Stelle in einer bestimmten Absicht unterstützt worden zu sein.

  Bereits im Jahre 1310 geht nämlich die neue Burg in den Besitz des Erzbischofs von Trier über und wird ihrem Erbauer als Lehnsgut zurückgegeben. Jäh werden bei diesem Ereignis politische Triebkräfte sichtbar, die weit über den Lebensbereich der Helfensteiner hinaus führen. Mit Unbehagen sieht Kurtrier in jener Zeit, daß das Haus Nassau mit seiner bunten Fülle an Besitz und Rechten in dem Winkel zwischen Lahn und Rhein den eigenen Machtkreis um Montabaur vom Rücken her bedrohen kann. Die Mauern der Sporkenburg türmen sich daher ausgerechnet dort empor, wo sich die nassauischen Hoheitsbezirke Lahnstein und Fluss berühren. Es ist also leicht erklärlich, wenn sich die Grafen Emich, Johann und Heinrich nicht ohne weiteres mit einem fremden Stützpunkt an der empfindlichen Nahtstelle und dazu noch auf eigenem Boden abfinden. Bereits ihr Vater hat nicht lange vorher am gleichen Ort eine Burg der Brüder Eaunerich von Andernach und Heinrich von Lahnstein zerstört, weil der Bau sein Vogtrecht über die Gegend verletzt, aber seine Söhne können sich bei dem erneuten Bruch der gesetzlichen Bestimmungen über die Anlage von Wehrsitzen nicht zu einer Abwehr in derselben schroffen Form erschließen.

  Die Lehnsübergabe wirkt sich nämlich als ein erfolgreicher Schachzug aus und läßt einen offenen Kampf gegen den Helfensteiner, der jetzt hinter dem Schild des geistlichen Fürsten steht, nicht als ratsam erscheinen. Man einigt sich daher auf gütliche Verhandlungen unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Köln, und der folgende Schiedsvertrag verschleiert nur notdürftig die politische Niederlage der Nassauer. Es wird zwar anerkannt, daß ihre Klage einen guten Grund hat und Helfenstein die Vogtrechte achten muß. Aber dieser Erfolg in äußerlichen Formsachen ist völlig ohne Gewicht gegenüber der Tatsache, daß sich die drei Grafen verpflichten, die Sporkenburg stehenzulassen und ihre Besitzer in Zukunft in keiner weise zu behelligen. Seit diesem Rückzugerstarren die nassauischen Wachstumsspitzen bei Bad Ems und an der Lahnmündung trotz mancher Möglichkeit im Vorgelände in engen Grenzen und verlieren rasch jede politische Bedeutung. Ohne also eine militärische Krafterobe abzulegen. hat die Sporkenburg allein schon durch ihr bloßes Vorhandensein dazu Beigetragen, daß Nassau von einer aussichtsreichen Stellung an dem wichtigen mittelrheinischen Flußkreuz abgedrängt wird und Kurtrier noch im gleichen Menschenalter unter dem zielbewussten Erzbischof Balduin im Lahntal eine Stoßlinie nach Osten bis über Limburg hinaus formen kann.

  Aber der Erfolg erweist sich für das Haus Helfenstein als ein recht teurer Wechsel für die Zukunft. Umschlossen von den Lehnsbanden des mächtigen Beschützers, öffnet sich dem alten Dynastengeschlecht, das mit zahlreichen Familien des Hochadels verwandt und verschwägert ist, kein Weg mehr in die Freiheit eigener Beschlüsse. Die Stammlinie am Rhein beginnt zu verkümmern, und ihr Seitenzweig, der sich in der Mitte des Vierzehnten Jahrhunderts die Sporkenburg zum Wohnsitz und Beinamen wählt, wächst nicht über den Stand wohlhabender Edelleute und angesehener Vasallen Kurtriers hinaus. Das umfangreiche Vermögen an Ländereien und Einkünften, das sich besonders unter dem ersten und dritten Heinrich von Helfenstein-Sporkenburg ansammelt, ist ohne wesentlichen Schwerpunkt von der unteren Mosel bis zur mittleren Lahn weit verstreut und zudem noch, wie die Höfe in Dietkirchen und Ennerich, an Johann Damian von Langenau, vielfach an andere Edelleute als Lehnsgut weitergeben. Entscheidend in dieser Lage ist der Umstand, daß der Besitz gerade in der Nähe der Sporkenburg in sehr bescheidenen hält und nicht für die Bildung eines eigenen Machtkreises ausreicht. Unmittelbar zu dem Wehrbau gehört nach der Urkunde des Jahres 1357 nur der Burgberg, der innerhalb der angeschlossenen Gemarkung Denzerode einen besonderen Bannbezirk darstellt. Dazu kommen noch richterliche und grundherrliche Befugnisse in Niederberg, einige Wiesen in der Pfarrei Arzbach und seit 1463 nach dem Erlöschen einer kurzlebigen Nebenlinie das Dorf Eitelborn als Amtssitz des erzbischöflichen Truchsesses.

  Der letzte Burgherr aus dem Helfenstein liebt Prunk und ein genußreiches Leben. Dreimal ist Herr Johann, hoher Würdenträger als Amtmann, Truchsess und Erbmarschall im Kurfürstentum Trier, vermählt gewesen, aber Nachkommenschaft bleibt ihm versagt, und unbeschwert mit der Sorge um die Zukunft seines Geschlechtes gibt er immer weitere Teile seines Besitzes gegen klingende Münzen in fremde Hand. Seine dritte Gemahlin Margaretha Beier von Boppard scheint außerdem noch auf eigene Faust zweifelhafte Geschäfte gemacht zu haben und läßt das Siegel ihres Mannes für dunkle Dinge nachfälschen. Unter solchen Umständen ist es auch nicht verwunderlich, wenn auch die Sporkenburg dem ewigen Geldbedürfnis zum Opfer fällt. Der ausgedehnte Wehr- und Wohnbau kann nur mit beträchtlichen Mitteln in einem zweckentsprechenden Zustand erhalten werden, und da die Einnahmen des Helfensteiners andere Wege gehen, so nimmt der bauliche Verfall rasch böse Formen an. Naturgemäß ist jedes Versäumnis die Quelle für neue Schäden, und es kommt schließlich soweit, daß Herr Johann, dem die kostspielige Instandsetzung unmöglich ist, die Sporkenburg samt Denzerode im Jahr 1518 (1515?) den Brüdern Quirin und Johann von Nassau für 1200 Gulden verkaufen muß.

1527 kaufte Quirin von Nassau auch diesen Märkerhof in Lahnstein für 500 Gold Florentiner Gulden, Quirin war auch Amtmann von Wellmich. Das 600-Jaher alte Gebäude wurde Vorbildlich restauriert und ist heute ein Teil der Städtischen Bühne Lahnstein. (Homepage von Lahnstein)

  Selbst diese nicht gerade hohe Summe scheint dem Lehnsherrn Kurtrier noch so reichlich für den herabgewirtschafteten Adelssitz bemessen, daß er den neuen Eigentümern zum Ausgleich die weibliche Erbfolge für die Burg gestattet. Bei der Teilung des Familienvermögens mit seinem Bruder übernimmt Junker Johann die verwahrlosten Gebäude, bringt sie rasch wieder in einen ordentlichen Zustand und bewirtet im Winter 1526 einen geehrten Gast, den Abt Petrus vom Kloster Matthias, in der verschneiten Burg an der Tafel mit kostbarem Silbergeschirr. Seine Gemahlin Margarethe von Schöneck erweist sich später auf ihrem dortigen Witwensitz als eine recht streitbare Dame und hat selbst mit ihrem Landesherrn unerfreuliche Zusammenstöße, wobei es sogar zu Totschlag und Freiheitsberaubung kommt. Aber es handelt sich hier um private Dinge, und von einem Versuch, sich aus der politischen Vormundschaft des Erzbischofs zu befreien, kann längst keine Rede mehr sein.

Von diesem Erker aus blickten die Burgherren Richtung Denzerrode (Ems), aber auch auf ihre Stallungen und Scheunen (hf 2014)

  Nach dem Tode der Freifrau geht der Besitz im Jahre 1572 vertragsgemäß auf ihren Neffen Philipp über, und als der einzige Sohn in den geistlichen Stand tritt und als Archidiakon von Dietkirchen stirbt, hat die Linie von Nassau- Sporkenburg ein schnelles Ende gefunden.

  Der geruhsame und gefahrlose Lebensweg der Sporkenburg, die noch im Jahre 1621 mit Scheunen, Ställen und Gärten das friedliche Bild eines reichen Adelssitzes bietet, wird von den Erdstößen des Dreißigjährigen Krieges jäh verschüttet. Ausgerechnet in dieser Zeit, wo die Sprengkraft der Feuerwaffen dem überhöhten Wehrbau jede militärische Bedeutung geraubt hat, gerät die veraltete Anlage in den Wirbel kriegerischer Ereignisse. Die Herren von Metternich, die seit der Wende zum 17. Jahrhundert die nassauische Erbschaft übernommen haben und sich hinter den hohen Mauern behaglich einrichten, trennen sich von der zwiespältigen Politik des Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern, werden im Jahre 1630 zu Rebellen wider Staat und Kirche erklärt und verlieren durch den Machtanspruch des Erzbischofs ihr geistliches Lehnsgut. Die schwache Besatzung Kurtriers auf der Sporkenburg wird jedoch bald von schwedischen Truppen abgelöst, dann führen die Herren von Metternich im Jahre 1632 spanische Musketiere durch das dunkle Burgtor, und kurz nach diesem verwüstenden Überfall flattern französische Fahnen von den Zinnen des Burgfrieds. Als sich die Verbände aus dem weiträumigen Brückenkopf zurückziehen müssen, säubern sie mit rauher Hand die Gegend von allen Anlagen, die dem Kaiserlichen Heere von Nutzen sein könnten und weihen im Jahre 1633 auch die Sporkenburg dem Untergang. Die furchtbare Kampfform der verbrannten Erde, die noch im gleichen Jahrhundert die gesamte Pfalz in feuriger Lohe aufflammen läßt, macht hier tastend ihre ersten Schritte.



 Zusätzliche Informationen

 
Im folgenden ein Artikel aus den Nassauischen Annalen im Jahr 1900
  Michel, F.: Zur Geschichte der Sporkenburg, sowie der ehemaligen Vogtei Denzerode bei Ems, in: NassA 31 (1900), S. 203-214, (noch zu überarbeiten wegen vieler Übertragungsfehler)

  Quelle: https://archive.org/stream/annalendesverein30vere/annalendesverein30vere_djvu.txt

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Zur Geschichte der Sporkenburg,



sowie der ehemaligen Vogtei Denzerode bei Ems.



Von F. Michel

  In unmittelbarer Nähe der von Ems nadi Arzbacli führenden Landstrasse erheben sich auf einem nach Westen durch ein Waldbächlein und nach Osten durch das Emsbachthal eingeschlossenen, steil ansteigenden Bergrücken die Trümmer der Sporkenburg.
  Dieselbe führt ihren Namen nach dem ehemals dem Erzstifte Trier gehörigen Bannforste Sporkenberg.') Die Grenzen desselben, sowie die Rechte, welche dem Erzbischofe von Trier daselbst zustanden, sind in dem über annal. archiep. et eccles. Trevir ") genau angegeben. Hiernach verlief erstere von Niederlahnstein lahnaufwärts bis zur Mündung des Eisbaches, diesen hinauf über Meudt nach Helferskirchen, von dort über Sayn nach dem Rheine und wieder nach Niederlahnstein. Dieser Wald bildete den südwestlichen Teil des Engersgaues und stiess im Osten an den Niederlahngau, während er im Süden durch die Lahn vom Einrich geschieden war/^) Wie und wann dieser Baunforst an Trier gekommen, lässt sich nur vermuten. In der Bestätigungsurkunde für die Pfarrei Humbach vom Jahre 959*), 13. Februar, wird deren Stifter, Herzog Hermann (I) von Schwaben als Besitzer der Burg Humbach und des dazugehörigen Bannes genannt, der ja den grössten Teil des Waldes Spurkenberg einnahm. Hermann starb mit Hinterlassung einer Tochter Ida, Gemahlin Herzog Ludolfs von Schwaben. Nach VogeT) kam nun in Besitz dieses Prädiums König Otto, der im Jahre 958 zu Ingelheim der Matrone Regiuhild — nach Wilmans wahrscheinlich die Wittwe des Herzogs Hermann von Schwaben") —


') Der erste Hestaiulteil dieses ^S'aiiieiis ist das altlid. spurclui — Waclibolderstrimcli (Föi'stenuinu , Altdcursclies Xamenbucli, \2\)2).

-) Mittelrliein. rrkiiiuloiibucli 2, 424 ti'.

=*) Ebd. II, XXV.

^) Kbd. I, 264, veii^l. auch AVirtz, Zur (iesoliiolite des JOngersgaues l)is zum .laltro 1070 (Jalircsbericlit der hüliereii Stadtscliulo zu Alivweüci' 1893/94), pag. 24.

^) Archiv I, 57 f.

°) Kaiserurkunden I, 451 — 4r)2.




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aeiu Eigeutum zu Wirges schenkte/) Möglich, dass mm bisweilen von ihrem Hufe zu Nassau aus') die Könige im Spurkenberger Walde dem edlen Waid- werke oblagen, woi'üv besonders der im liber anualium angeführte Umstand spricht, dass in späterer Zeit, so oft der Erzbischof von Trier nach Ehrenbreit- stein kam und zu diesem Zwecke nach Iseuburg oder nach Nassowe schickte, alle dort anwesenden Jäger und Hunde ihm zugesandt werden mussten. Diese Verpflichtung der Dynasten zu Isenburg und Nassau — denn nur diese können darunter verstanden werden — leitet sich am zwanglosesten aus der Zeit her, wo sie ihrem Herrn, dem Köu'g, bei dessen Anwesenheit im IJannforste mit ihren Diensten gewärtig oder in seiner Abwesenheit mit der Ausübung der Jagd daselbst betraut waren. Seit Ende des XL Jahrhunderts erscheinen das Erzstift Trier, sowie das Florinsstift'') zu Koblenz im Besitze dieses Teiles des Eugersgaues, uud zu Anfang des XHI. ersteres auch in dem des Wildbanncs im Walde Spurkenberg. Ausser dem Erzbischofe von Trier, dem in letzterem allein die Jagd- und Fischereigerechtigkeit zustand'"), ist in dem mehrfach er- wähnten liber annal. noch von einem „aduocatus ville" an einigen Stellen von „aduocati" des Erzbischofes die Rede, die in diesem Baunforste einige Sonder- rechte genossen, dort jagen durften, ein Drittel der Rügen bezogen uud Erlaubnis zur Jagd und Fischerei erteilen konnten. Unter ihnen sind wohl die Vögte der in jenem Bezirk gelegenen erzbischöflicheu Frohnhöfe zu verstehen, von denen einige namentlich aufgeführt werden, wie Niderberg"), Deuzinrode u. s. w. In der Folgezeit werden die Herren von Isenburg mit dem „Wiltban in dem Walde Spurkenberg'^ vom Erzbischofe belehnt, so 1338 Gerlach von Isenburg-Ahrcn- fels"), 1355 sein Schwiegersohn Wilhelm"), der den Namen eine» Grafen von Wied annahm, ebenso später dessen Nachkommen, wie Graf Wilhelm von Wied 1371'*) und 1560 Johann, Graf zu Wied.'"") Auch die Grafen von Nassau waren nach Vogel mit einem Teile dieses Wildbannes belehnt.") In der Bestätigungs- urkunde Karls IV. für Erzbischof Cuno von Trier vom 31. Mai 1376 werden unter den Besitzungen der Trierer Kirche u. a. auch: conductus et forestae in Spurkenburg prope Montabaur" genannt.") Im Jahre 1476 erhob sich ein Streit zwischen dem Erz])ischofe und den Grafen Philipj) von Katzenelnbogen

¦ — - ~ « ^) Go.M-z, .Mittel rh. Keg. 1, 274, No. 968. ") Vergl. darüber Kremer, Gesch. des rlieiii. Krunzieiis, 124; sowie Vogel, IJe- scluelbuiig 657. ») Dasselbe war durch eine Schenkung des genannten Herzogs Hermann in den besitz der Kirche zu Montabaur samt aller Zehnten in dem zugehörigen Bann gekommen. '") Diese Jagdgereciitigkeit begritf nur die sogenannte hohe Jagd, die niedere stand den einzelnen Markgenossenscliaften zu und wurde von diesen gehandhabt. ") So heisst es im liber annal. (.Mittelrh. Urkundenbuch 2, 417) vuii dcMu Kammerforst des Erzbischofes in iS'idcremberc: „in quo aduocatus nichil juris habef*, docii von dem Kammer- forst Cruceberg vor dem lOrenbrechtistein : „qui attinet curie niderenberc". '-) Günther, Co.l. lii)l. ;j, Al)teil. 1, 304. '^) Ebd. Abteil. 2, 61. j. ") Fischer, Gesclilochtsregister der Häuser Isenburg, ^\¦i'¦(l, Kunkel 2, 122. '^) Ebd. 2, 27:5. "^) Beschreibung, 276. '^j Hüutheim, Hist. Trev. 11, 207.


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und Dietz, suwio Joluiiin zu Nassau uud Dir3tii „des wildfaiigliL's und i^c- jeclies wcghen der marken mit uamen in nycderlausteyuer marck und in horchg'cmer marck" — • die ja eigentlich zu diesem Baunforste gehörten. Die von den Gemeinden Nieveru und Fachbach entsandten fünf ältesten Männer erklärten hierauf, dass die beiden Grafen allein in besagten Marken jagdberechtigt seien.") In einer weiteren, undatierten Urkunde werden sodann die „Wiltbende und hecken, so die grauen vonn Nassaue und Dietze von alters allwege mit Jagen gepraucht hant", namentlich aufgeführt.''^) Inmitten dieses Banuforstes Spurkenberg lag der Huf Denzinrode, licuu; ]Jenzerhaide. Erzbischof Egelbert von Trier (1079—1101) schenkte dem Kloster des heiligen Eucharius bei Trier „uillam nostram dominicalem Gencenrode ultra Renum sitam in comitatu Metfridi in pago qui dicitur Engeresgowe" samt allem Zubehör, der Kirche in Berge, einer Mühle etc.'") unter der Bedingung, dass „nullius unquam episcopi, comitis uel alicuius secularie potestatis legatus uel exactor potestatem uel licentiam aliquid inde exigere uel aliquid ibi preci- pere habeat." Am G.Februar 1147 bestätigt Papst Eugen III. derselben Abtei ihre Besitzungen, u. a. einen Hof zu Degnizinrode mit Zubehör und die Kirche zu Niderberg samt Zehnten-') und 1155, April 29, nennt Papst Adrian IV. unter den Besitztümern desselben Klosters eine Kirche zu Nideremberg und Genzenrode'-') ^^) Schöttenweistum vom 3. Juii. 1476. Orig. imt' Pergament im Künigl. Staatsarchiv zu Wiesbaden. '«) „Item die bruntliecke, Die Leymhecko gelegen by Muendortl, die .Malberges hecke, die Äugst hecke, Eyn hecke oben an Spurckenbergh am berge, Ein hecke an Fachbacher pade als man gehet nf die werkatzn, Ein hecke als man gehet von Xiebern den berch utl" zu Horchheymer slage zun unnd vortan über die sucht zu Horcheim unnd zu Xieddernlaensteiii zun unnd dae die hecke wendet gehet .... an die Eychen Eusze herabe zuu Moinhcym züii. Auch die stelzenbach, das mosenroet, die seele unnd den walt oben Sporckenberch, vurt vonn Horchlieimer wingarten herusz durcli das gewelde bisz zu den obgedachten hecken. Dair zuu noch ein hecke die Seltzer Strasse usz bisz uff Padenbercher heyde." (Urig. auf J'apier, Königl. Staatsarchiv Wiesbaden). Die Lage der hier .•lutgeführtcn Hecken deckt siel) sonder- barerweise zum Teil mit der in der Urkunde vom .lahre Döit angegebenen südwestlichen Cirenze der ehemaligen Pfarrei Jlumbach (gedr. Mittelrli. rrkundeni)ueh 1, -'G4; vgl. darül)er AVirtz, Zur Geschiclite des Engersgaues bis zum Jahre 107(», Jahresbericht der hüheren Stadtscliule zu Ahrweiler 1893/94). Die „brantliecke" habe ich nicht ermitteln l ;innen. Unter „^'uen- dorlY" ist Welschneudorf zu verstehen. Die 3l!ill)ergesiiecke existiert als Molbeerhecke lieute noch (vgl. Grimm, Weistümer 1, .095 u. ()02). Sie gehört zum Arzbacher üemeindewald, liegt an dem von Welschneudorf nacii .\rzbach führenden Wege und wird von dem von Arz- bach zwischen den Arzbacher Köpfen nach Kemmenau führenden AVege in iiirem südlidien Teile durchschnitten. Die Augsthecke ist der heutige Distrikt „Weisser Stein" und gehört zum Augster Pfarrwald. Die folgende Hecke lag zwischen Kitelborn nml der Emsbach. Die Hecke „an Eachbachor pade^' ist zwischen Alüllenbacher Hof und Jägerhaus zu sudien, auf dem Wege von Eachbacii nach der „Mecrkatz". Die Eage der folgenden Hecke ist nicht recht zu verstehen. Sic ist in der (iegend des Horchlieimer Schafstalles zu suchen. Der Waid Steltzenbach ist Jetzt Königl. Staatswald, zwischen Hübinger und Windener Üemeindewald. Das „inosenroef-, jetzt Masseroth, ist ebenfalls ein Königl. Staatswaid, östlich Arzi.ach. Die „seele" habe icli nicht ermitteln können, ebenso wenig die .radonl>ercher heyde". -") IMittelrlnün. Urknndenbuch 1, 453. •-') Ebd. 1, ß04. ") Ebd. 1, 647.


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— kein Zweifel also, dass Deguizinrode imd Geuzeurode ideutisch siud, ebeuso dass mit der Kirche iu Berge die zu Niderberg gemeint ist. Der Abtei S. Matthias gestattet am 15. Dezember 1227 Erzbischof Tlieoderich ein Beholzigungsrecht im Walde Ximhusen für ihreu Hof Berneroth gegen Überlassimg des Waldes Asinrod ia der Aust bei Montabaur, in welchem er den Klosterleuten zu Deuzin- rode unter demselben Datum ein ebensolches Recht einräumt.-') Anscheinend hat nun die Abtei S. Mathias auch dou Hof verkauft, denn gegen Ende des XIII. Jahrhunderts'') werden als „lenherin" dieses Gutes samt allem Zubehör die Gebrüder Emmerich von Andirnache und Heynrich von Laeynslein genannt"), währeml die Yogtei hierüber damals den Grafen von Nassau zustand'-"), von denen sie die v. d. Arken zu Koblenz und nach diesen Heinrich vom Stein, sowie dessen Sohn zu Lehen tru2:en. Nach der von sieben geschworenen ,,hubeneren" bestätigten Aussage der Schöffen, von denen ebenfalls sieben auf dem Hofe sein sollten, besass der Vogt mannigfache Rechte daselbst. Er besetzte die ihm gehörige Budilhube-') mit einem Amtmann, der iu seinem Namen den Lehensherrn und den Hufnern bei Streitigkeiten Recht zu sprechen hatte. War dem Lehensherrn ein Unrecht geschehen, so musste er es dem Yogte klagen und sich dessen Rechtsspruch unter-


^^J Ebd. 3, 259, Xo. 32H. Orii;-. im Küui-1. Staatsarchiv zu Koblenz.

¦¦*) Diese und die folgenden Angaben sind einer Urkunde entnommen, deren Original sich im Küuigl. Staatsarchiv zu Düsseldorf befindet. Sie behandelt den Schiedsspruch des Sifrit von nie Steyne, sowie des Eberolt und Marquart von Kurenburch, Katleute iu der Zweiung zwischen dem Erzbisehofe von Trier und seinem Amtniannc» Heynriche von Helfinsteyn einer- und den Grafen Heynriche, Gerlache, Emeehen und Juluuuic von Xassowe anderseits wegen der Vogtei Denzinrode und des inmitten derselben begriffenen I5urgbaues. Das Original ist gut erhalten, die beiden schildförmigen Siegel von weissem Waehs sind nur wenig beschädigt. Das eine zeigt ausser der Steinscheu Rose noch einen kleinen Stern in der oberen linken Ecke und führt die Legende: S. SIFKIDI DICTI DE .... E [:§j, das zweite hat im "Wappenschilde 2 Kleeblätter, getrennt durch einen rechten Schrägbalken und die Legende: S. EBEKOLDI DE LYKIXBVR MILITIS [^ — Gedruckt ist die Urkunde bei L. F. Hoefer, Auswahl der ältesten Urkunden in deutscher Sprache, S. 81 f., doch lese ich S. 83, Zeile 1 statt Dinitman — Amtman und Zeile 16 statt Cumeze — Eumeze (Ems!j Die Urkunde führt als Datum 1309. Wenn man jedoch, wie Goerz, Reg. der Erzb. von Trier, die später auf- geführte Urkunde von Donm-rstag nach St. Agnesentag 1309 dem Stil. Treverens. zufolge mit 1310, Jan. 22, datiert, so n)uss man für die vorliegende Urkunde gleichfalls den Stil. Trev. zu Grunde legen, da sie zeitlich jener folgt. Ihre Abfassung fiele demnach iu das Jahr 1310, zwischen den 22. Januar und 2.3. -März. Ü^ber die Urkunde vgl. auch Schliephake, Gescbiciite Von Nassau IV, 131 und Colombcl, Annalfn des Vereins für Xass Altertumskunde und Geschiclitsforschung 7, 2, 193.

"J V. Lodebur, Rhenus, Jahrg. 1, G nennt 1270 einen „Embriclio de Loynsteiii, miles de Andernaco"; ein Heinrich von Laynstein zu Andernach kommt 1291 vor, s. Mittelrheiu. Reg. 4, 432.

'¦"^) Nach der genannten Sflieukungsurkuudo Erzbischof Egclberts ist zwar die IJestim mung getroffen, dass niemandem auf dem Hofgute irgend welche Gewalt eingeräumt werden solle, doch iiat .sich anscheinend das Kloster St. Lucharii genötigt gesehen, die Vogtei ihren mächtigen Xachbarn, den Grafen von Nassau, zu übertragen, odi-r vielleielit ihm (irafen von Arnstein, von denen sie dann die Grufcn von Nassau erbten.

-') Jjudil = IJüttel. Im Laune Niedereuberc wird gleiclifalls eine liudelliubc im libei- annal. erwähnt. Mittelrhein. Urkundenbuch 2, 416.




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werfen „uud grifo dir leuher danibir an, daz niustc lio virltuzeu denie vu'^de alse eyn vrcinedc man.-' Wenn der Vog-t mit dem Lolienslicrrn reiten - „inic reclitis zu lielfene" — und das Pferd des ersteren ein Eisen verlieren sollte so war der Lelienslierr gehalten, ihm dasselbe wieder anzuschlagen, sowie alle Unkosten für Bewirtung etc. zu tragen, falls diese nicht durch die erhobenen Bussgelder gedeckt werden konnten. Auch besassen die Grafen von Nassau in der Vogtei den Wildbann und die Fischerei. Inmitten dieser Vogtei lag der Berg, auf dem die Sporkenburg erbaut wurde.-") Zur Zeit als Wilhelm von dir Arche die Vogtei Denzinrode von den Grafen von Nassau zu Lehen trug, hatten Emmriche von Andirnache und Ilevnrich von Laynsteiu daselbst einen „burchlichen bu begriffen", doch Graf Otto von Nassau hatte auf die Klage seines Lehensmannes hin denselben gebrochen. Infolge dessen entstanden fortan allerlei Zwistigkeiten zwischen Lehensherrn und Vögten. Als einst die beiden Ritter von Laynstein in dem zur Vogtei gehörio-en Walde Pfähle hauen Hessen, verbrannten ihnen Johann und Hermann von der Arken dieselben und auf ihre Klage erhielten sie den Bescheid, die von der Arken hätten im Rechte gehandelt, da der Lehonsherr nicht befugt sei, ohne Erlaubnis des Vogtes in der Vogtei zu holzen. Später kam es aus ähnlichen Gründen zu einer Fehde zwischen Ileynrich von Lansteyn und Heynrich von me Steyne, der nach Hermann von der Arken mit der Vogtei belehnt war, weil nämlich ersterer in der Vogtei hatte ,, roden und hauwen" wollen, woran ihn der letztere zu hindern suchte. Sie wandten sich schliesslich an ein Schieds- gericht und der „Obirmaun'' gab seine Meinung dahin ab, dass dem Lehensherr dieses Recht auch ohne des Vogtes Willen zustehe.

Aber trotz des Widerstandes der Grafen von Nassau kam der Burgbau zu Stande. Denzenrode war nämlich zu jener Zeit in den Besitz des in der Nähe des Ehrenbreitstein mächtig angesessenen Geschlechtes derer von Ilelfen- stein gelangt, die mit diesem Erwerb ihrem in den letzten Jahren deutlich aus- gesprochenen Bestreben nach Vergrüsscrung ihres Grundbesitzes in dem Winkel zwischen Rhein und Lahn gerecht wurden. So hatte 1293 Hermann von Helfeustein der Jüngere das Gericht zu Nyderberch erworben''°). Heinrich von Helfenstein am 13. Jan. 1300 die Güter des Grafen Heinrich von Wylinawe


^®) V. St faiiil) ei'i;- (llliein. Aiitiquarius 2, iJ, 74) schreibt, dass dieselbe 1198 schon vorhanden gewesen nnd von Erzbischof Joliann I. von Trier einem Conrad von Hrolil zu Lohen ftegeben -worden sei. Docli ist dies urkundlich nicht nachzuweisen und berulit vielleicht auf einer Verweclislung mit der Stelle in den Ciesta Trev. (cd. Wyttciibach 1, 302), die lautet: „idem coniiiarauit arch. Johannes donuiin fortem apud Laynstein, ([uae sita est suprn Lonnni, quam Wernero de Brole ab ecclosia Treverensi in feodo tenendam concessit" — womit nach Eltester (Mittelrh. tTrkundeiibuch 2, CXX) ein 18.j,5 abgerissenes ronmnisches Oebäude zu Xiederlahnstcin gemeint ist. Damit stimmt auch der Umstand übercin, dass die v. Hrohl in der Folge häufig als Grundeigentümer zu ^s'iederlahnstein auftreten.

^^) Günther nennt um die Mitte des XIIL Öaek. wiederholt einen Wilhelm v. d. Arken (siehe Cod. dipl. 2), ebenso v. Eltester in den Jahren 1238—59 ( Mittelrheinisches Urkundenbuch 3, 1130).

^'') Kopie im Balduineum — Kesselstadt, Trier, vgl. Goerz, Mittelrliein. Koi:. i\. »7« und He-', d. Erzb. 58.


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zu Arzlieym 'i und den 23. Aug. 1302 wurden die Gebrüder Hermann und lleiurioli von Ilelplieustcin vom Grafen (Jcrard von Dyeze mit der Yogtoi zu lloricheym belehnt.'-') Der letztgenannte Ritter Heinrich von Helfensteiu errichtete nun auf den Trümmern der zerstörten Spurkenberg einen neuen festen Bau, der fortan seinen Nachkommen als "SVohnsitz dienen sollte, während sein Hrudcr Hermann, der als der ältere zugleich das Trierer Erbmarschallamt bekleidete, das Haus Mulen- bach bewohnte.""') Beiden gemeinsam war die Stammburg Helfenstein. Um jedoch sich und seinen Nachkommen den Bestand seiner neuen Erwerbung zu sichern, trug Heinrich am 22. Januar 1310 dem Erzbischofe Balduin von Trier seine Burg Sporckemberg mit allen Hoheitsrechten und Zubehör als Eigentum auP) und erhielt sie von diesem — mit Ausnahme der hohen Gerichtsbarkeit, welche sich der Erzbischof vorbehielt — als offenes Ijohen wieder zurück und zwar mit der Bestimmung, dass das Lehen nur in männlicher Linie nach dem Hechte der Erstgeburt vererbbar sei und nie geteilt werden dürfe. Seien keine männlichen Leibeserben vorhanden, so solle der nächstälteste Bruder des Ver- storbenen nachfolgen und mangels jeglicher männlicher Blutsverwandtschaft väterlicherseits solle das Lehen wieder au das Stift zurückfallen. Durch diesen Lehensauftrag hoffte Heinrich von HelfFenstein seine neu erbaute Burg am besten gegen die Augriffe der Nassauer Grafen zu schützen, während anderseits der Erzbischof dadurch eine neue Grenzveste gewann. i'ber den Bau der Burg sowohl, wie über den Lehnsauftrag oder Ver- kauf, wie es in der diesbezüglichen Urkunde heisst, erhoben nun aber die Grafen von Nassau gegen den Erzbiscliof und seinen Amtmann Beschwerde und die Schiedsrichter, der Erzbischof von Köln, sowie der Graf von Spanheym erhielten von den dazu bestellten drei nassauischen Ratsleuten, den Rittern Sifrit von deme Steyne, Eberolt und Marquart von Lurenburch, den Bescheid, dass den Grafen von Nassau Unrecht gescliehen sei, da der A^erkäufer nach allgemein üblichem Brauche das Gut zunächst dem Vogte und, falls der es nicht kaufen wollte, denen, von welchen die Vogtei zu Lehen rühre, hätte zum Kaufe an- bieten müssen, und dass man von Rechtswegen die ueuerbaute Burg niederreissen müsse. Vor allem aber sprachen sich die Ratsleute dahin aus, dass die neu- erbaute Burg in der Vogtei Denzinrode liege und mithin auch zum Gorichts- bezirke des Vogtes gehöre, dem Erzbischofe oder seinem Leheusmanue also keinerlei richterliche Befugnisse dort zuständen.

^') Original auf Pergament im l'.ozirksnrt'liiv ]jOtlirini;eii, Archives de Clervaux. Die Siegel der (jebr. von Helfenstein fehlen, die der (iebriider Johann und Engilbert von Brnns- perg, der Mitsiegler, sind stark beschädigt. Krsteres zeigt im Schilde 2 (Querbalken. Vgl. Publications de Luxembouri;- 36 (14), 65. "*) Original auf Pergament ebendaselbst. Das Siegel des Grafen Gerard ist abgerissen, von dem seiner Gemahlin Klyzabet ist nur noch ein kleines Bruchstück vorhanden. •'^) Siehe Güterteilung zwischen llerninnn von Helfinstein und seiner Mutter .Mcchtilt einer- und Agnes von Miilinbach, der Witwe weil. Hermanns von Helfinstein anderseits vom 22. Juli 1318. Original auf Pergament el)endaselbst. ^*) Honthoim, llist. 'j'rov. 2, ;{7. Kopie im Temporale perpetuale Balduini No. 22."), Köni'rl. Staatsarcliiv zu ('(»l)leiiz.


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Nach laugcni Streiten einigten sidi aber am 27. April 1311') boidc Parteien, die Gcbrihler Eniciie, Heinrich und Johann, Grafen zu Nassowe und Hevnrich von lleifcnstoin (Uiliin, dass crsterc versprachen, Ileynridi und seine Nachkommen im Jiesitzc der neuerbauten iUirg nicht zu stören und i;eincrlei Anforderungen deswegen an sie zu steUon, sowie ohne Erhiubnis derselben resp. ihres Lehenslicrrn, des Erzbiscliofes von Trier weder in dem Amte Montabaur ") noch in dem Ilelfensteinisidien Gericlite — gemeint ist hier wohl das zu Nieder- berg -- „ein güd zu goklen".''") Umgekehrt gelobte lleynrich, die Yogteirechte des Grafen anzuerkennen und nicht zu verletzen. Die Burg blieb fortan bestehen und erbte sich nach dem Rechte der Erst- o-eburt auf Ileiuriclis von lleltFenstcin Nachkommen fort, welche; sicli danach zum Unterschiede von der durch Heinrichs Druder Hermann begründeten sogen. Müllenbacher Linie von Helfenstein zu Sporkenburg nannten. Auch ihre An- sprüche auf die Yogteirechte zu Denzinrode vermochten die Grafen von Nassau dem mächtigen Nachbar gegenüber niclit aufrecht zu erhalten. Am 22. Mai 1332 wurde Heinrichs ältester Sohn Hermann von Helfenstein von Erzbischof Balduin von Trier mit Spurkenberg und Zubelnu- belehnt.''') Seine Wittwc Adelheid von Bruushorn, welcher die Hälfte der Burg als Wittum verschrieben war, er- richtete am 25. Januar 1357 mit ihrem ältesten Sohne Heinrich von Helfen- steiu einen Burgfrieden daselbst.''') Die Grenzen desselben werden folgender- massen beschrieben: „Zu deme ersten bis ahn die drencke unnd von der drenck die ulenbaclO ihn bis uff denn weinwcgh*') dy dy aütze uff ghet unnd von dem weinwege uff bis ahnn das creutz unnd vonn dem creutz fort uff denn berg aus bis ahnn den eussersten grabenn unnd vonn dem eusserstenn grabcnn uff denn wingarten hin bis do der wingart wendit unnd da vort widder ihn die drenncke". Innerhalb dieses Bannes solle „unser keiner noch iemand von unsertwegen an dos anderen Leib und ffut nicht "reifen in keinerlei Weise mit Argelist." Für etwaige Streitigkeiten ernennen beide den Burggrafen Ludwig von Hammersteiu, sowie den Kitter Ditherr

^¦^) Siehe die Beilage. ^'^) Heiuricli von Helfeii^toin war Anitniauii zu Montabaur. >'acli seinem Tode kam Johann von Ilelfenstein in Besitz dieses Amtes und 1319 Heinricdis Sohn Tiermann. Original- Urkunden vom 14. Juli 1312, resp. 27. Dez. 1319 im T.ezirksarohiv Lothringen. 3') Gelden hat liier den l'.egritf von „kaufen'', vgl. Grimm, Deutsches Wörterbuch IV, 1, 2, 3074. ä*) Gedruckt Günther, Cod. dipl. 8, iS.^. Original im iv^inigl. Staatsarchiv zu Coblenz, Abschrift im Balduineum S. 235 ebd. •'^) Kopie im Künigl. Staatsarchiv zu iMünstor, Kindliiigors Mise. 2, 9Ü, 171. ") Die rienbach ist — nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Lehrer Kber- ling zu Ems — identisch mit der heutigen Deulenbach, die südüstlich an der Mur-,' vorbei- fliesst und in die Emsbach mündet. -") Der Name Weinweg existiert heute noch. Er führt v..n iler >purkonburg als Fahr- weg zuerst etwas abwärts, sodann mitten durch den Weinberghang ansteigend bis zum Felde und von dort weiter nach dem Dorfe Eitelborn (nach einer freundlichen Auskunft von seiton des Herrn Försters Ilummerich in Ems). Eitelborn lag im Kirchspiel Äugst; die Grenze ver- lief also unten von der Deulenbach, diese hinauf bis zu dem nach Eitelborn führenden Weg, dann zurück über die Höhe nach der Burg und längs der dieselbe früher umgebenden Woin- boro'o nach dor am Fusse des IJeryes an der Deulenbach /u su.'lienien .Drencke".


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von Ercnbergstein^-) zu Scliieclsricliteru. Dieselbe Adellieid stellte am 15. Nov. 1357 dem Erzbischof Boemimd von Trier einen Revers aus über den Empfang der ihr von ihrem verstorbeuon Gatten zum "Wittum angesetzten trierisoheu Lehensgütern, u. a. des llalbteiles der „vesten zu Spurckinburg.^^)" Heinrichs von Jlelfenstein Enkel Johann versprach in seiner Hillichberedung mit Johann von Eynenberch, Herrn zu Lantzkrone, dessen Tochter Hilla — seine künftige Gattin — „up Spurekenberg halff ind up syne hoeue ind gueder zo Nederen- laensteyn" zu bewittumen.") Derselbe reversierte sich 1442, Februar 26, gegen Erzbischof Jakob von Trier über den Empfang seiner Leheusgüter, u. a. auck der Burg Spurckemberg m. a. Z.. ausgenommen eine Wiese in der Aucz, unter- halb Arzbach gelegen.'*) Am 25. März 1446 schloss er mit Dietherich Mul von der Newerburgh einen Ehevertrag zwischen seinem Sohne Johann und Diethers Enkelin Katharina, der 14 jährigen Tochter des verstorbenen Johann von Gymnich, Herrn zu Weinssperg.^'') In diesem Hillichbriefe bewittumt er seine künftige Schwiegertochter u. a, auch mit der Hälfte des Schlosses Spurckembergh samt Zubehör, die vordem seiner verstorbenen Gemahlin Plille von Eynembergh als Wittum gehört hatte. Unterm 26. März genehmigte der Erzbischof von Trier diesen Vertrag unter der Bedingung, dass die als Wittum angesetzten Stücke nach Katharinas Tod wieder zurückfallen sollten ,,an die ende, dar is von rechte hyn gehöret."*') Derselbe Johann von Helfenstein, sowie sein Sohn Johann, der Gemahl Katharinas von Gymnich und dessen Sohn, auch Johann genannt, wurden in der Folge mit der ,,veste Spurckemberg" von Seiten des Kurfürsten von Trier belehnt und zwar durch Lehnbriefe vom 20. Mai 1457^'), 13. Dezember 1460"), 27. August 1475^") u. a. Gegen letzteren erhob Frank von Cronenberg als Sohn der Merge von Helfenstein, einer Tochter Johannes und der Anna Walpode von Ulmen Ansprüche auf Herausgabe verschiedener Güter, insbesondere auch der Hälfte des Schlosses Spurekenberg mit Zubehör, die Johann von Helfenstein ihrer beiden Ahufrau Anna Walpode zur Ehesteuer verschrieben

*¦) Derselbe gehörte dem Geschleclite von Pfattendorf an. ") Original auf Pergament i;n Königl. Staatsarchiv zu Coblenz, Kur-Trier. Staatsarchiv. Ks siegeln Adellieid v. II., Conrad vcm Schonecko und l'ridoricli von Kaeno, Scluiltliciss zu Coblenz. Siegel gut erlialten. **) Urkunde vom 31. Aug. 1423, gedruckt bei Strange, lieitWige zur Ucnealogio der adeligen Geschlechter 2, 124. ") Original auf Pergament im Könitjl. Staatsarchiv zu Coblenz. Gedruckt Günther, Cod. dipl. 4, 412, ^"o. 192. v. Straniberg führt ciiu'u gleichen Revers vom Jahre 1468 an. *'^) Original auf F'ergament im Königl. Staatsarchiv zu Colilenz. Siegel Johanns und Dietherichs, ferner fierharts von Kyncmberg, Herrn zu Landerone, und der (iebrüder Goiss- wiii, i'njbst zu Sc. Simeon, und iloinrich muyl von der Xcuerburg erhalten. *') Original auf Pergament im ivüiiigl. Staatsarchiv zu Coblenz, vgl. (ioorz, Heg. d. Erzb. 183. ¦•*) Original auf i'crgament im Köniul. Staatsarchiv zu Coblenz, vgl. fJoerz, iliid. 206; Günther, Cod. dipl. 4, 4ln, Aimi. 1. *') Orig. ibid. vgl. (fuorz, lieg. d. Krzl). 241; i'iildi(uition,s de Luxciiiboufg 34 (12), 149, Xo. 632. "") Orig. iliid. vgl. (mmji-z, Kcu'. d. Mizb. 212.


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hatte.^') Doch die Schicdsricliter iu diesem Streite. ( )tto von Hreyttbach, Trübst am S. Martiusstift zu Worms, Joliann von Brcyttbacli, Uitter und Yitztum im ßinghawe, Heinrioli Holt/apffel, Marschall des Erzbischofes von Trier. Diederich von Staffel, Jorge von der Leyeii, Peter von Elz, Henne Gyle geu. Woberhenn.; und Ulrich von Mulhoffen, Reutmeister zu Mainz, brachten einen Vergleich zu Stande, wonach Johann von Ilelfenstein sich für sich und seine Erben verpHichtoto dem Frank von Cronenberg eine jährliche Rente von 26 fl. ablösbar mit OöO fl., zu zahlen. In den Lehensbriefen, welche die Erzbischöfe Jakob und Richard von Trier unterm 9. Oktober 1503^') resp. 15. Juli 1512''') für diesen Johann von Ilelfenstein ausstellten, wird natürlich auch die Veste Spurckemberg genannt. Doch am 20. Oktober 1518 verkaufte der Erbmarschall Johann von Ilelfenstein Schloss und Herrschaft Spurckemberg nebst dem Dorfe Dcntzenrod den Gebrüdern Quyrin und Johann von Nassau und zwar um 1200 Goldgulden.") Damals w^ar — wie es in der diesbezüglichen Urkunde heisst, das Haus „vast buwefellig", weswegen der Erzbischof denen von Nassau gestattete, dass auch ihre Töchter nach dem Rechte der Erstgeburt erbberechtigt sein sollten.'') Am 7. Mai 1524 bewittumte Johann von Nassau mit Genehmigung- des Lehensherrn, des Erzbischofes Richard von Trier, seine künftige Gemahlin, Margaretha von Schoneck, mit Spurckenberg-, Dentzenrod und Zubehijr.'") Nach ihrem neuen Besitze nannten sich fortan die von Nassau auch v. N. zu Spurekenberg, in der Bruderteilung zwischen Johann und Quirin fielen ersterem die Burg und Dentzeroidt zu, und er wurde am 18. Juli 1532 vom Erzbischöfe Johann damit belehnt, mit der Bestimmung, dass, im Falle der Mannesstamm aussterbe, seine älteste Tochter und, wenn auch keine Töchter vorhanden seien, die Nachkommen- schaft seines Bruders Quirin lehensLerechtigt sein sollten.'') Johann starb c. 1546.''') Seine Wittwe Margret von Schoneck übernahm nun die Verwaltung der Güter, geriet jedoch gleich mit der Gemeinde Niederberg in einen Streit wegen des Weidganges in der Nähe der Spurkenberg. Sie beanspruchte nämlich als Rechts- nachfolgerin Johanns von Helfenstein das Vorrecht, in Niederberger Gemarkung „ein Sweym" Schafe, d. h. 300 Stück, treiben zu dürfen, welches ihr aber von der Gemeinde bestritten wurde, da nach Ausweis eines alten Weistumes''') nur den Herren von Helfenstein als Vögten des Kirchspiels Niederberg dieses Recht zustehe. Da sie aber eine geborene von Schoeneck und nicht von Ilelfenstein sei,

^') Original auf Pergament im Künigl. Staatsarchiv zu Cobleu/. °-) Orig. ebd. Gedruckt Günther, Cod. dipl. 5, 114, No. 1^. ''^) Orig. ebd. Revers darüber vom selben Datum im Perpotuale Richardi, Xü. 4.')0 obd. 5^) Orig. ebd. •^^) Lehnsrevers der Gebrüder Johann und Quyrin von Nassau we vom 28. Oktober 1510 im Perpotuale Richardi de Greifenklau-A'ollrats, Künigl. Staatsarchiv zu ("ublonz: vgl. andi ebd., Kurfürstentum Trier, Lehensbof. ^*') Kopie im Temporale Archiep. Richardi S. 424 ebd. ^') Auszug nach Kindlinger 11, 98, 237 im König]. Staatsarchiv zu Coblenz. ""j Nicht, Avie bei Ilumpracht, 1547, da ja 154(5 Margaret von Schüneck schon als AVittwe erscheint. ¦'") Dasselbe befindet sicli im Original im Künigl. Staatsarehiv zu t'oblonz, Kur-Trier, Xiodcrberg, und ist um U. Jan. 14G4 aufgenommen. Gedruckt l)pi Cirimm, "Weistümer 1, G0;{. 14


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so liabe sie keinerlei Aurec-lite liiiTauf, Der Streit wurde besonders lieltig, als ein Diener der Wittwe den Niederberger Hirten so geschlagen hatte, dass der- selbe nach einigen Tagen starb. Die Niederberger sagten nun einen Tag an, den die streitbare Frau jedoch nicht ,,gestain" wollte. Da wandte sich die Gemeinde an den Kurfürsten von Trier, der anscheinend die Streitsache zu ihren Gunsten entschied."*') Audi sonst war diese Dame in mancherlei Händel ver- wickelt. So hatte sie einst mit Hilfe des jungen Anthou Walpott von Bassenheim. sowie des Johann Kemmerer von Worms, genannt von Dalberg, eine ünterthanin des Kurfürsten von Trier nächilicherweile von Mülheim im Thall nach Spurcken- burg entführt und nur auf Fürbitte des Pfalzgrafen Georg bei Rhein sicherte ihr der Kurfürst unterm 14. Juli 1568 für „solch ir verbrechung und was sie sampt und sondern gegen uns und unser Ertzstift gesundigt", Straflosigkeit zu.''') Xach dem Tode Mar£rareteus von Sclioeneck 1572 schlössen ihre drei Töchter Anna, Dorothea und Margareta mit Quirins Söhnen Heinrich und Philipp am 27. September zu Wittlich einen Vertrag''-), wonach Philipp von Nassau alle Mannleheu des Hauses Nassau, darunter auch die Burg Spurckemberg gegen eine Entschädigung von 4500 fl. bekommen sollte. Auch sollten die Schwestern den Hof zu Frucht erhalten, während über das Haus Tonnenburg und die Vogtei Creucht noch nähere Bestimmungen getroffen werden sollten. Philipp von Nassau hatte nur einen Sohn, Heinrich, der letzte männliche Sprosse seines Stammes, Archidiakon zu St. Lubentius, Senior zu Trier und Maiuz.''^) Nach dessen Tode etwa 1601 kam die Herrschaft Spurekenberg an die Herrn von Metternich zu Winneburg und Beilstein"^) — wahrscheinlich durch Erbschaft, da die Ahnmutter Wilhelms von Metternich, des Sohnes Hans Dietrichs, „die eldeste vom Stamme Nassawisch" war.*"") Doch die von Metternich gerieten mit dem Nachfolger ihres Verwandten Lothar, dem Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern, aus persön- lichen und politischen Gründen in die heftigste Feindschaft, und es wiu-de ihnen 1630 die Spurekenburg als verfallenes trierisches Lehen entzogen.*'') Ja, am 22. Oktober 1683 erklärte der Kurfürst den Domscholaster Emrich von Metternich, den Chorbischof Karl von Metternich und den Ritler Wilhelm von Metternich samt ihren Brüdern, Anhang und Complices wegen Rebellion gegen Kirche und Staat aller ihrer Würden, Stellungen und ihres gesamten Vermögens für ver- lustig."') Die Spurkenburg wurde wahrscheinlich — ebenso wie Ehrenbreitstein — von französischen, oder doch trierischen Truppen besetzt. Anfangs Dezember 1631 erschien aber Bernhard v. Weimar mit schwedischen Truppen und eroberte

''") Acta, b(3tr. Irriiii^cii /.wisciieu den ]5esitzerii «los IImusos Spurkcmborg und dor (ie- iiieinde des Kirchspiels >;iedorberg weg-en des strittigen Weidganges, l.')46, Canieralia, Kllr. Klirenl>reitstein, No. 132; Königl. Staatsarclüv zu Coblenz. ®') Gedr. bei Hontheini, Jlist. Trev. Ifl, \:>. **) Nassauer liucli, S. 9,"). Königl. Staatsarchiv zu Coblenz, v. Xassau-Sparkenburg. "=») Ilonthoini, Prodrom. 1149. '¦') Vogel, lieschrt'iliung, 67G. ^*) Ann. des Vereins für Nass. Altertumskunde u. Geschichtsforsch. XXIX, 2, 207. °^) I'. Hur, IMiilijip von Sütcrii. Kurfürst von Trior und ^cino Politik wälirciid dos .^0- jährigon Krieges, H. 384. '¦•') liontlH'iin. II ist. Trov. III, 39.


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dci' llcilio nacli fast sämiliclic ti'iürisflic I'iinkfc auf der nM-litrn UliL'iu.sL'iic (lai'uiitor auch die Spurkcnburg.''") Doch schon im folgciulen Jalirc nahmen spanisclio Trupfjon — von der Familie von Metternich mit Rat und That unterstützt - die verlorenen. Plätze wieder ein und bei dieser Gelegenheit wird den Gebrüdern von Metternich vom Kurfürsten der Vorwurf gemacht, sie hätten „Niederlahnstein, Engers, Ilammcr- stein, Mouthabaur, Spurckemburg überfallen, besetzt, gebrandt und geplündert.'"') Das schwankende Kriegsglück brachte in den folgenden Jahren in buntem Wechsel schwedische, spanische, kaiserliche und hessische Tru[)peuteile in die Gegend der Spurkenburg. Erst 1641 achreibt das Trierer Domkapitel, das Stift sei ohne Kriegsvölker. Der Spurkenburg geschieht seit dem Einfalle der Spanier 1032 nirgends mehr Erwähnung, während von dem nahe gelegenen Monthabaur des öfteren die Rede ist, sodass die Vermutung nahe liegt, dass das Schloss damals von den spanischen Truppen zerstört worden ist."") Nachdem so der Eriede im Erzstift wieder hergestellt war, erliess der Kurfürst auch für die Ge- brüder von Metternich am 27, April 1G44 eine General- Amnestie, wodurch den- selben die ihnen entzogenen Güter — also auch die Spnrkenburg — wieder zurückgestellt wurden.") Die von Metternich verkauften später die Ruine samt den zugehih'igen Waldungen, und sie ist jetzt im Besitze des Herrn Landrates Heydweiler zu Altena i. W., der sie von den Erben des zu Cochem verstorbenen Landrates und Geh. Reg. -Rates Jäger käuflich erworben hat. Ihr gewaltiges Mauerwerk ist noch verhältnismässig gut erhalten.'')

B e i 1 a g e.") Wir Emche, Heinrich, Johan'') gcbruder t^rcbcn und liorrcn zo Xassowc dun kunt allen den, die dusen geinwertigen brief an sint oder hörcnt lesen, dat wir asc 0") r.aur, 222. «») Hont heim, Hist. Trev. III, 373 f. '") S t runiber^-, Tllieiu. Aiiti(]iiarius 2, 3, 75 boliiUii)tet, sie sei 103") von den Franzosen zorstürt worden. Dies Ivönnte nur so zu erkliireu sein, dass die scInsediscli-tVanzösiscIie Hc- siitzung- des Ehrenbreitstein beim Ilernnnalieii der kaiserlichen Heere die Buri; gcbroclien hiitton, um so den Feind eines eventuellen Stützpunktes zu berauben. ¦') llontheim, Hist. Trev. IIl, 480. '') VVme genaue ßeschreibuiiL;- der ]?urgruine findet sich bei Lo tz - S c h n e i d e r , l>ie üaudenkiniller im lieg-ierungsbezirko AViesbaden (1880), 409 f. ") Die Abschrift dieser Urkunde verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Arcliiv- dii-ektors Dr. Wagner, dem ich, ebenso Avie dm Herren Archivdirektor Dr. Meckcr und Königl. Archivar Dr. v. Petersdorff zu Coblenz, aucli an dieser Stelle für ilir tVeiindlirlics Hntiregenkonimen meinen verbindlichsten Dank übermitteln möchte. ") Mit dem (hafcn (ierlach, der in der Urkunde vom Jahre 1310 (s. Anni. 24) auch aufgeführt wird, scheint als dem Vertreter der walramischeu Linie eine besondere Abmnoliuni,' getroffen worden zu sein, da die vorliegende nur die Gebrüder des ottonischen Astes nennt. Ks wird also wohl die Vogtei Denzinrode, ebenso wie die Unter zu Nassau, Miclilen und loin i;inrich, im geincinsanKMi TJesitz (b'r bcldi-n Linien gewesen sein. 14'


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van clage und uflauf, dye iuzusschen uns einsite und hörn Heynriche van Ilolfenstein andersite uas ase van der burc, dye da lieizzet Spurkenberg, dye her Heinridi van nuwens be.L^ritfen und gcbuet hat. liat wir des vor uns und aHo unser Frunde und unser erben bit demselben Heynriche van llelfenstein und unserm horren van Triere. der sin heiter was. genzlich und gar gescheyden und gesonet sin und geloben au dusem geynwertigen vor uns und vor unser erben, dat wir liern Ileynrich van Helfen- stein und sin erben noch sine frunt umme denselben Im noch unime dye burch nimmer ane gesiu-echen sulu noch hindern bit, werten noch bit werken, want dat her Heinrich van Helfenstein und sin erbin in der burch und in dem gude, dat darzü gehöret geraftit und gerowit sullen sitzen sunder unser hindernisse und allerleyge widerspräche. ^Vir suln auch kein gud golden in der phlegc, dye zu :\Iontabur huret, noch in dem gerichte. dat heru Heinriche van Helfenstein unde sin erben ane liorent, sunder urlauf unsers horren van Tryere und hcrrn Heynriches. de hie vor genant ist. und ich Heinridi van Helfenstein ver.yin an dusem geinwertigeu brife und dun kunt und geloben vor mich und min erben, dat icli dye vorgesprochen herren und greben van Xassowe und ir erben in allem gude in allen den cren und in allen deme rechte, da de (mIII man, grebe Otte van Xassowe, ir vader, inne saz und si biz her gesezzon haut, sal lazeu sitzen ungcenget und ungedrenget. geraftit und gerowit. und geloben me. dat ich kein gut in derselben herren gerichte gelden sal sunder ir urlauf. ,.Und wir Emche. Heinrich und [Jojhan gebrudere vorgenant vor uns und unser erben, und ich Heinrich van Helfenstein vor mich und min erben, geloben mit guden truwen stede zu haldcn und unzeworren allez, dat hyevor geredet und gesprochen ist, sunder allerleyge argelisto. Dat dit war, stede und vaste si, so hau wir gebedon di edel lüde hcrn Gysen den herren van Molsperc, hern Johannen van Brunspcrc und hcrn Lüttere herren van Isenburch, dat si ir ingsigel zu einer stedigkeit bit unsern ingsigeln, die hye ane sint, herane gehangen haut; und wir Gyse Johann und Luttcr vorgenant gin an diisemc geinw(>rtigen bribe, dat wir durch bede willen hern Emchen, hern Heinrichs und hcra Johans der vorgenanten greben und hören Heynriches van Hclfensteyn unser ingsigel herane gehangen han zii eime urkundt und stedigkeit allez, des hye vor geredit ist. Dit geschach mittes over dye crsamon lüde hern Heinriche van AValdecke, lierrn Cunradt van Schoenecke, hern Johanne ßutschartc, hern Johanne van Grensauwe, hern Sifrid van Hadmor, hörn Didrich van Stocheym, hcrn Heinrich van Xassowe, hern Sifrid vam Steine, hern Eberolde van Lurenburch. hcrn Heinriche van Statte! und hcrn Fridriclie Buchere den deinen van Lurcnburc und andere biderbe lüde, dye darzu wurden gerufen. Des dinstages noch sande Markes dage nach godes geburtte druzehen hundert jar unde in dem eiliftcn jare. Orig. Pergament. Von den sieben Siegeln sind erhalten: Xo. 1, Siegel des Ileinricli V. Helfenstein, stark beschädigt: Xo. 3, Siegel eines Graten v. Xassau, stark beschädigt; Xo. ö, Siegel des Johann v. Kraunberi,', ebenfalls besdiädigt. So. 2, 4, « und 7 ab. Jetzt Staats- archiv Wiesbaden.


 Informative Links

 
Marga von Helfenstein +1471, Zeichnung des Epitaph im St Kastor in Koblenz. Wappen:
ol Johann III.von Helfenstein-Sporkenburg
(hier aber ein ungeteiltes Wappen);
ul: Phillippe Beyer von Boppard;
or Friedrich Walpode Herr zu Ulmen;
ur Rudolf von Sachsenhausen-Praunheim

Hochinteressante Seite über die Herren von Helfenstein
Beschreibung des Epitaph Georgs von Nassau zur Sporkenburg (Sohn des Johann von Nassau-Sporkenburg) in der ehem. Mauritiuskirche in Wiesbaden
Der Nassau-Sporkenburger Hof in Lahnstein
Stammbaum des Quirin von Nassau-Sporkenburg
Anmerkung:
Frank XIV. von Kronberg (Flügelstamm). Der Stammbaum könnte falsch sein, andere Quelle: Frank XIV. (XIII.) 1477 + 1520, Sohn Frank XIII. und der Katharina von Isenburg (Merge vieleicht 1. Frau von Frank XIII.)

Quirin (Coryn, Quyrin) von Nassau-Sporkenburg war auch Amtmann ich Wellmich am Rhein und wurde hier in der Kirche St. Martin auch begraben.
Die beiden Brüder Johann und Quirin waren wohl verwandt mit den Grafen von Nassau, sie tragen den gleichen Löwen in ihrem Wappen nur statt Schindeln haben die Herren Punkte im Wappen. Ihre Ahnen waren wohl Burgmannen von Lahneck und Stolzenfels
Über die Kirche St. Martin in Wellmich
Hier eine Urkunde der Brüder Quirin und Johann über den Verkauf des Hofes Sechendorff bei Wied an Salatin von Ysenburg

Wieder vereint: Helfenstein-Mühlenbach und Nassau-Sporkenburg, aber beiden Linien sind die männlichen Erben ausgegangen.

Bei Christine Katharina von Helfenstein handelt es sich um die Urenkelin von Querin von Nassau-Sporkenburg, der mit seinem Bruder Johann einst Sporkenburg von den Helfensteinern erworben hatte. Außerdem ist sie die Großmutter von Philipp Christoph Vogt von Hunoldstein von dem ein schönes Grabdenkmal im Kreuzgang des Würzburger Domes erhalten ist.
Mit dem Bruder von Elisabeth von Nassau-Sporkenburg, Hans Heinrich von Nassau-Sporkenburg, Chorbischof und Kapitularherr des Domstifts Trier und Archidiakon zu Dietkirchen, stirbt die Linie Nassau-Sporkenburg 1601 aus.
Wappen der Helfensteiner:
Golden-blau geteilt, oben roter Löwe und unten sechs goldene Lilien.


Noch recherchieren:
Margaretta von Helfenstein
Vater: Johann III v.Helfenstein(74024310)
Mutter: Anna Waldbott v.Bassenheim(74024311)
Ehe/Verbindung : Frank v.Cronberg
Hier gefunden
Auch Katthagen schreibt in seiner Abhandlung über die Burg Waldmannshausen dass laut einer Urkunde Marga von Helfenstein und ihr Mann Franken von Cronenberg einen Hof in Waldmanshausen hatten (eventuell hatte Marga den Hof von ihrer Mutter, einer Walpodin zu Ulmen, geerbt).


 Stammbaum der Helfensteiner

 
In Arbeit

  • A1 Heinrich von Ehrenbreitstein †n1139
    • B1 Wilhelm I. von Ehrenbreitstein, Marschall von Helfenstein †ca.1180 e.1157
      • C1 Ludwig I. von Helfenstein
        • D1 Wilhelm II. von Helfenstein †1222 oo Irmgard von Molsberg T. v. Anselm III. von Molsberg, Herr von Molsberg 1134-1182
          • E1 Wilhelm III. von Helfenstein, Herr von Helfenstein †n.1242 oo 1200 Jutta (Guda) von Hammerstein †n.1274 T.v. Johann I. von Hammerstein
            • F1 Hermann I. von Helfenstein †ca.1294 oo Elisabeth (Elise) von Rennenberg †ca.1290 T.v. Gerhard VON Renneberg
              • G1 Heinrich I. von Helfenstein †1313 oo Mechtild von Braunsberg †1319
                • H1 Johann II. von Helfenstein †1367
              • G2 Lisa von Helfenstein † oo Peter III. von und zu Eltz †v1325
                • H1 Pauline von und zu Eltz
              • G3 Hermann II. von Helfenstein †1314 oo Agnes von Pfaffendorf (Müllenbach?) 1270-/1326
                • H1 Agnes von Helfenstein †1360 oo v.1314 Friedrich I. von Brandenburg zu Müllenbach †1322


Quellen:
gedbas
Geneanet